Seit Jahren schlagen wir uns mit niedrigen Zinsen herum. Was fürs Häusle-Bauer tipp topp ist, ist für das Geld auf dem Konto nicht so prall: Statt regelmäßig Zinsen von der Bank zu bekommen, frisst nun die Inflation nach und nach das eifrig Ersparte auf. Was also tun damit? Und vor allem: Wie kann ich mein Geld ethisch und ökologisch korrekt investieren? Das Thema “Nachhaltige Geldanlage”, aufbauend auf meinem Artikel zu “Nachhaltige Banken”, habe ich mir mal genauer angeschaut und möchte gerne mein Wissen teilen.
Eins vorweg: Das hier ist keine Anlageberatung, Anlagevermittlung oder Abschlussvermittlung. Dafür habe ich gar keine Kompetenz 🙂 Es handelt sich um Informationen als Einstieg in das Thema.
Also, los geht’s!
Table of Contents
1×1 der Geldanlage
Ein paar Begriffe will ich vorweg zumindest grob klären. Denn wenn du dich noch nie mit Aktien, Fonds etc. auseinander gesetzt hast, wird dieser Beitrag sonst etwas knifflig. Wenn du schon firm bist, kannst du einfach zum nächsten Kapitel hüpfen.
Was meine ich eigentlich mit “Geldanlage”? “Als Geldanlage bezeichnet man die Investition von Geldbeträgen, in der Regel mit dem Ziel, einen Gewinn bzw. Wertzuwachs zu erreichen” (Quelle: zinsen-berechnen.de).
Magisches Dreieck der Geldanlage
Dabei ist Geldanlage nicht gleich Geldanlage. Jede Anlageform hat ihre Besonderheiten. Man spricht hier vom magischen Dreieck der Geldanlage: Sicherheit, Rendite und Liquidität bilden die Eckpunkte des Dreiecks. Das heißt:
- Sicherheit: Dein Geld ist vor Verlust geschützt
- Liquidität: Du kommst leicht an dein Geld ran
- Rendite: Dein Geld mehrt sich
“Super, genau das will ich alles!” denkst du dir jetzt vielleicht. Und da liegt schon die Krux: Alle drei Aspekte kann keine Geldanlage bedienen. Wird dir etwas anderes versprochen, ist das sicherlich ein windiges Angebot. Man muss sich für eine Seite des Dreiecks entscheiden. Soll es sicher und flexibel sein? Dann hapert es an der Rendite. Leicht verfügbar und hoher Wertzuwachs? Dann musst du Abstriche bei der Sicherheit machen, Risiken in Kauf nehmen. Sicher und hoch verzinst? Dann liegt dein Geld sicherlich über Jahre wo anders und ist dir nicht leicht verfügbar.
Arten der Geldanlage
Soweit so gut. Geldanlagen lassen sich meist nach zwei Grundgedanken unterscheiden:
- Du leihst jemandem Geld und bekommst dafür eine Gegenleistung. Zum Beispiel leihst du deiner Bank Geld indem du es auf ein Konto legst, und bekommst dafür Zinsen.
- Du kaufst ein Produkt und hoffst auf Wertsteigerung. Das ist zum Beispiel der Fall wenn du Gold, Oldtimer oder hochwertige Kunstgegenstände als Anlage kaufst.
Werden wir jetzt konkreter. Was gibt es denn so für Geldanlagen?
Aktien
“Die Aktie (englisch share) ist ein Wertpapier, das den Anteil an einer Aktiengesellschaft oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien verbrieft” (Wikipedia). Unternehmen wie Aktiengesellschaften können sich zusätzliches Eigenkapital verschaffen, indem sie Aktien am Aktienmarkt an Aktionäre verkaufen. Die Aktionäre profitieren dann idealerweise auf zwei Arten: Zum einen kann der Wert der Aktie steigen, sodass bei Verkauf ein Kursgewinn entsteht. Zum anderen werden Aktionäre am Unternehmenserfolg durch jährliche Dividendenzahlungen beteiligt. Manche Firmen leisten dies auch in Sachdividenden. Lindt schickt dann zum Beispiel ein Schokopaket. Wahrscheinlich kannst du dir schon denken, dass hier das Risiko entsteht, wenn es dem Unternehmen nicht mehr so gut geht. Dann droht ein Wertverlust der Aktie und Ausbleiben der Dividende. Im schlimmsten Fall kommt es zum Totalverlust der Anlage. Aktien können an der Börse, am sogenannten Aktienmarkt, gehandelt werden.
Zur Einordnung im Magischen Dreieck: Aktien können bei hoher Liquidität eine hohe Rendite erwirtschaften, sind aber unsicher.
Anleihen
“Eine Anleihe (auch festverzinsliches Wertpapier, Rentenpapier, Schuldverschreibung oder Obligation, englisch Bond oder debenture bond) ist ein zinstragendes Wertpapier, das dem Gläubiger das Recht auf Rückzahlung sowie auf Zahlung vereinbarter Zinsen einräumt” (Wikipedia).
Das könnte zum Beispiel eine Staatsanleihe sein, wobei du einem Staat Geld leihst, oder eine Unternehmensanleihe. Die meisten Staatsanleihen und Unternehmensanleihen werden über die Börse gehandelt, am sogenannten Rentenmarkt.
Immobilien, Gold, Sachwerte
Investieren kann man auch in sehr reale Gegenstände, wie Immobilien, Gold oder Sachwerte. Sachwerte zur Geldanlage könnten zum Beispiel Schmuck, Uhren, Oldtimer, teure Whiskys, Weine, Kunstgegenstände… sein. Die Liste ist beliebig erweiterbar. Unlängst habe ich auch erfahren, dass manche Pokémon-Karten für zig Tausend Euro weggehen. Man muss einfach seinen Markt kennen 😉 Genau das macht Sachgegenstände etwas schwierig als Geldanlage: Oft muss man sich schon sehr gut im Metier auskennen und genau wissen, welche Gegenstände welchen Wert haben und ob ein Wertzuwachs zu erwarten ist.
Offene Investmentfonds
Bei Aktien, Anleihen etc. hast du die Qual der Wahl! Wenn du keine Lust hast, diese Entscheidung selbst zu treffen, sind Investmentfonds eine gute Möglichkeit der Geldanlage. Die Investmentgesellschaft sammelt dabei Geld ein und investiert in bestimmte Anlageklassen. Es gibt zum Beispiel reine Aktienfonds, Mischfonds die in Aktien und Anleihen investieren, Rentenfonds die nur in Anleihen investieren, oder Immobilienfonds.
Nachteil ist, dass das Fondmanagement Geld kostet. Dabei ist entscheidend, ob es sich um aktives oder passives Management handelt. Beim aktiven Management sucht der Fondmanager die Anlagen mit viel Fingerspitzengefühl und Markt-Know-How aus. Beim passiven Management wird in der Regel ein Index nachgebildet, zum Beispiel der DAX oder MSCI World. Das am meisten gehypte Produkt im Moment sind die sogenannten ETFs, Exchange Traded Funds. Das sind börsengehandelte Indexfonds, die sehr günstig sind.
Zur Abgrenzung: Es gibt auch geschlossenen Investmentfonds, die jedoch nur ein oder mehrere konkrete Projekte realisieren. Zum Beispiel einen Windpark bauen. Diese Fonds werden als eher riskant eingestuft.
Es muss für dich passen!
Na das waren ja eine Menge Finanzbegriffe… Aber jetzt weißt du Bescheid, was es mit Aktien und Fonds auf sich hat! Natürlich gibt es noch viele weitere Anlageformen. Die oben genannten sind jedoch recht üblich.
Wichtig bei der Geldanlage ist, dass es zu dir und deinem Leben passt. Und dass du verstehst, was mit deinem Geld passiert. Wer jung ist und vielleicht auf ein Haus spart hat ganz andere finanzielle Ansprüche als ein älterer Mensch kurz vor der Rente. Sicherheit, Liquidität und Rendite sind für jede*n anders wichtig. Daher gibt es keine pauschale Anlageempfehlung.
Für mich war sehr wichtig, dass meine Investments meine Werte widerspiegeln. Bringen wir also nun ENDLICH die Nachhaltigkeit ins Spiel und reden über nachhaltige Geldanlage!
Nachhaltige Geldanlage
Zunächst die schlechte Nachricht: Nachhaltigkeit ist nicht einheitlich definiert und auch kein geschützter Begriff. Kann sich quasi jeder auf die Fahne schreiben. Auch Begriffe wie “grün”, “fair”, “sozial” etc. finden sich immer wieder in Finanzproduktbezeichnungen, ohne dass viel dahinter stecken muss. Ändern soll dies die neue EU Taxonomie, ein Klassifikationssystem für nachhaltige Geldanlage welche ab 2022 in die Berichtsanforderungen einfließt. Solange lohnt sich wieder genau hinzuschauen ob ein Produkt nur grün ausschaut oder es auch ist.
Bei Aktien und Anleihen kannst du selbst gezielt schauen, ob das Unternehmen oder der Staat deinem Nachhaltigkeitsanspruch genügt. Du kannst dir Geschäftsberichte durchlesen und die Nachrichten durchforsten. Wenn dir das zu viel ist, sind Investmentfonds eine gute Möglichkeit, denn sie treffen die Auswahl für dich. Aber wie genau gehen sie dabei vor? Was unterscheidet grüne von konventionellen Investmentfonds?
Positivkriterien: Gezielt investieren
Viele nachhaltige Fonds stellen eine Liste von Positivkriterien auf als Richtlinie für ihre Investments. Sie investieren zum Beispiel gezielt in Branchen, die zukunftsweisend sind. Dazu gehören Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Recycling, Wasseraufbereitung, Medizin, sozial- und umweltverträgliche Technologien und Produkte, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Landwirtschaft, Bildung etc.
Neben der Branche können auch Positivkriterien hinsichtlich der Art und Weise des Wirtschaftens festgelegt werden. Agiert das Unternehmen sozial und fair, hat es eine gute Unternehmensführung, kennt es seine Lieferkette, handelt es umweltfreundlich? All solche Kriterien können Teil der Strategie sein.
Wie du dir sicher denken kannst ist es nicht immer einfach, zu entscheiden, ob ein Unternehmen wirklich nachhaltig ist oder nicht. Dafür ziehen manche Fonds einen Nachhaltigkeitsbeirat mit Experten hinzu.
Ausschlusskriterien
Ein anderer oder kombinierter Ansatz kann sein, Ausschlusskriterien festzulegen. Ausschlusskriterien sind zum Beispiel Ausschluss von Menschen- und Arbeitsrechtsverletzung, Diskriminierung, Kinderarbeit, Korruption, Tierversuche, Waffen, Einsatz schädlicher Chemikalien, konventionelle Energieerzeugung (Atom, Kohle, Gas oder Öl), Tabak, Glücksspiel, Pornographie etc. Manche Fonds sind dabei weniger radikal und erlauben zum Beispiel, dass ein Unternehmen bis zu 5% oder 10% seines Umsatzes aus einer kritischen Branche bezieht. Andere schließen derartige Branchen komplett aus.
Engagement
Manche nachhaltige Fonds nutzen ihren Einfluss und setzen sich im Dialog oder im Rahmen der Ausübung ihres Stimmrechts auf der Hauptversammlung für ein nachhaltigeres Agieren der Unternehmen ein, in die sie investiert sind. Konsequente Fonds ziehen auch ihr Investment zurück, wenn gewisse Geschäftspraktiken auf ihr Drängen hin nicht geändert oder eingestellt werden. Andere Fonds hingegen bleiben bewusst auch in den “Schwarzen Schafen” investiert, um ihren Einfluss zu nutzen.
ESG, SDG, SRI…
Nein, keine Zeile aus einem Fanta-4-Song. In den Titeln der Fonds wird gerne mit Abkürzungen um sich geworfen. Daher mal eine kleine Erklärung:
ESG ist sehr häufig verwendet und bedeutet Environmental, Social and Governance (zu deutsch Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung). Dabei handelt es sich um Indikatoren, wie ein Unternehmen wirtschaftet.
SDG bezeichnet die 17 Sustainable Development Goals (zu deutsch Ziele für nachhaltige Entwicklung) der UN, die 2015 festgelegt wurden und eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 als Ziel haben. Fonds die sich auf die SDG berufen wählen Unternehmen und Staaten aus, die besonders zur Umsetzung der 17 Ziele beitragen.
SRI heißt Socially Responsible Investment und ist meist etwas schärfer als ESG.
Best-in-Class und Best-of-all-Classes
Hierbei handelt es sich um zwei Anlagestrategien. Der Best-In-Class-Ansatz bezeichnet, dass der Fond die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche auswählt. Dies basiert auf den ESG-Faktoren. Das hat sein für und wider. Zum einen werden damit Unternehmen hervorgehoben und unterstützt, die sich Mühe geben, innerhalb ihrer Branche ethisch und ökologisch zu agieren. Andererseits können so auch Branchen mit vertreten sein, die per se der Umwelt nicht zuträglich sind, wie konventionelle Energieerzeuger. Da kommt es wieder ganz auf deine Haltung drauf an: Magst du es dunkelgrün oder reicht hellgrün? Der Best-of-all-Classes-Ansatz hingegen nimmt die nachhaltigsten Unternehmen über alle Branchen hinweg ins Portfolio.
Hilfe bei der Auswahl
Du merkst, es kommt immer wieder auf Werte zurück! Was ist DIR wichtig? Willst du bestimmte Branchen fördern? Oder liegt dir der Ausschluss bestimmter Branchen am Herzen? Muss es dunkelgrün sein? Oder einfach “ein bisschen besser” als sonstige Fonds? Ist dir auch wichtig, bei welcher Investmentbank dein Geld liegt, ob diese exklusiv nachhaltig agiert oder nur ein grünes Produkt am Rand mit betreibt?
Wenn du das für dich geklärt hast kommt dann die nächste Frage auf. Jetzt weiß ich was ich will, aber… wer erfüllt denn eigentlich meine Kriterien?
Nachhaltigkeitsprofile
Um hier Licht ins Dunkel zu bringen gibt es zwei sehr gute Anlaufstellen: Das Forum Nachhaltige Geldanlage und die Plattform Faire Fonds. Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, bei der Auswahl zu unterstützen. Sie bieten eine umfassende Fonddatenbank und erstellen für jeden ein Profil. Das Profil von Faire Fonds ist kurz und knackig, das FNG-Profil hingegen sehr umfangreich. Außerdem hat Stiftung Warentest vor Kurzem auch wieder nachhaltige Fonds getestet und gibt Empfehlungen anhand von Performance und Nachhaltigkeit.
Beratung für nachhaltige Geldanlage
Ab 2022 ist auch dein*e Vermögensberater*in verpflichtet, deine Nachhaltigkeitspräferenz abzufragen. Das heißt leider noch nicht, dass dann auch eine gute Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen gesichert ist. Wenn dir das Thema besonders wichtig ist, kannst du auch gezielt nach einer Beratung suchen, die sich auf nachhaltige Geldanlage spezialisiert hat. Es gibt zum Beispiel sogenannte EcoAnlageberater. Das sind Berater*innen, die den EcoAnlageberater-Lehrgang gemacht haben und damit Experten für nachhaltige Investments sind.
Noch mehr Infos
Hervorheben möchte ich den Podcast “Der Finanzoptimist” des Beraters Philipp Achenbach. Hier bespricht er aktuelle Themen rund um nachhaltige Geldanlage und führt interessante Interviews mit Fondmanagern. So bekommst du noch mehr ein Gespür, wem du eigentlich dein Geld in die Hand legst.
Im nächsten Post werde ich dir ein paar grüne Fondanbieter vorstellen, die sich meiner Meinung nach besonders hervorheben. Auch das Thema Gold und ETFs werde ich mir genauer anschauen. Es bleibt also spannend 🙂 Bis dahin!
Sehr interessanter Beitrag. Ich warte gespannt auf mehr. 🙂