Plastikmüll am Strand
Foto von Catherine Sheila von Pexels

Mikroplastik, Makroplastik, überall Plastik.

Diesen Monat widme ich ganz dem Thema Plastik und Abfall(vermeidung). Ein echtes Herzensthema, vor allem von Eindrücken in Südostasien und Afrika geprägt. Denn dort gibt es nicht so effiziente Müllentsorgung wie bei uns, was das Plastikaufkommen direkt in der Umwelt zeigt: Müllberge häufen sich in Schluchten, Stränden, am Straßenrand. Bilder vom Great Pacific Garbage Patch und mit Plastik gefüllte Mägen verendeter Seevögel runden das Ganze ab. Es ist erschreckend und bedrückend. Doch das ist nicht nur ein Problem in exotischen Ländern, Umweltverschmutzung passiert auch direkt vor der Haustür. Müllbeutel für Müllbeutel füllten wir bereits auf Spaziergängen: Take-Away-Verpackungen, Masken, Taschentücher, und einfach nur Verpackungsmüll liegen verwaist am Wegesrand. Gleichzeitig zeigen immer mehr Studien, dass nicht nur sichtbares Plastik, sogenanntes Makroplastik, ein Problem darstellt, sondern winzig kleine, nicht oder kaum sichtbare Plastikteilchen: Mikroplastik ist in aller Munde. Wortwörtlich, denn Mikroplastik wurde auch schon in Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen. Schockierend auch der Befund italienischer Wissenschaftler Anfang des Jahres, die Mikroplastik in Plazentas gefunden haben. Zeit, sich die Sache mit dem Mikroplastik mal genauer anzuschauen!

Dazu habe ich mir eine Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht mit dem Titel “Kunststoffe in der Umwelt: Mirko- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen” aus dem Jahr 2018 geschnappt und durchgeschmökert. Hier fasse ich die für mich wesentlichen Inhalte und ein paar überraschende Fakten aus der Studie zusammen. Los geht’s!

Makroplastik und Mikroplastik

Unterscheidung

Wie eingangs erwähnt wird unterschieden zwischen Mikroplastik und Makroplastik. Beides sind feste Objekte aus thermoplastischen, elastomeren oder duroplastischen Kunststoffen, die in die Umwelt gelangen. Das waren jetzt ganz schön viele Fachbegriffe auf einmal… Grob gesagt sind das verschiedene Arten fester Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Anwendungsgebieten.

Thermoplaste sind zum Beispiel Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen (PE) was oft für Verpackungsmaterialien genutzt wird, oder Polypropylen (PP) was z.B. als Tupperware genutzt wird. Sie lassen sich in einem bestimmten Temperaturbereich verformen. Elastomere sind elastische Kunststoffe wie zum Beispiel Gummibänder oder Reifen. Duroplaste sind Kunststoffe, die nicht mehr verformt werden können. Das nur mal so am Rande fürs Allgemeinwissen 🙂

Mirkoplastik bezeichnet winzig kleine Fasern und Partikel dieser Kunststoffe, Makroplastik größere Objekte. Makroplastik wird, wenn es in der Umwelt vorgefunden wird, auch als Plastic Littering oder einfach Plastikmüll bezeichnet.

Typen von Mikroplastik

Bei Mikroplastik wird weiter unterschieden, wie dieses zustande kommt. Dabei gibt es drei Typen:

  • Typ A: Bewusst eingesetztes Mikroplastik, zum Beispiel als Peeling-Kügelchen in Kosmetik
  • Typ B: Während der Nutzung eines Kunststoffs freigesetztes Mikroplastik, zum Beispiel durch Faserabrieb von Textilien in der Waschmaschine oder Abrieb von Reifen auf der Straße
  • Sekundäres Mikroplastik: Entsteht durch die langsame Zersetzung von Makroplastik in der Umwelt, z.B. wenn eine Plastiktüte im Meer langsam durch Sonne und Salzwasser zerfällt.

Aber was genau sind denn die häufigsten Verschmutzer? Das in den Medien oft zitierte Mikroplastik in der Kosmetik?

Top 10 Mikroplastikursachen

  1. Abrieb von Reifen
  2. Emissionen bei Abfallentsorgung
  3. Abrieb von Polymeren und Bitumen in Asphalt
  4. Pelletverlust
  5. Verwehungen von Sport- und Spielplätzen
  6. Freisetzung auf Baustellen
  7. Abrieb von Schuhsohlen
  8. Kunststoffverpackungen
  9. Fahrbahnmarkierungen
  10. Faserabrieb bei Textilwäsche

Die Liste zu lesen vermittelt einen guten Eindruck über den vielseitigen Einsatz der Kunststoffe, wobei man an manche vielleicht nicht sofort denkt. Vor allem Reifenabrieb auf Platz 1 fand ich krass. Interessant fand ich für mich noch ein paar weitere Plätze:

11. Abrieb Farben und Lacke

17. Mikroplastik in Kosmetik

20. Abrieb von Dekomaterial, Glitzer etc.

21. Inhaltsstoffe von Wasch- Pflege- und Reinigungsmitteln privater Haushalte

Insgesamt machen die Bereiche Verkehr, Infrastruktur und Gebäude ganze 62% der Kunststoffemissionen aus. Aber auch unser persönlicher Alltag macht sich bemerkbar: Faserabrieb aus Textilien und Schuhsohlen, Verpackungen, Plastik in Kosmetik und Reinigern.

Die Forscher haben auch ermittelt, dass Mikroplastik vom Typ A nur ungefähr 11% der Emissionen ausmachen. 89% verfallen auf Mikroplastik vom Typ B, allen voran Elastomere. Kann man sich leicht vorstellen: Ein weicheres, elastischeres Material lässt sich leichter zerlegen. Politisch wird ja gerade auf EU Ebene das Verbot von bewusst eingesetztem Mikroplastik diskutiert – das würde jedoch nur einen kleinen Teil betreffen.

Vorkommen von Mikroplastik in der Umwelt

Von massenweise Plastik in Meeren und Flüssen ist oft die Rede. Tatsächlich gehen die Autoren der Studie davon aus, dass sich Mikroplastik bereits überall in der Umwelt finden lässt. Das hängt mit der Art der Entstehung zusammen: Reifenabrieb, Straßenabrieb, Verwitterung von Farbe entsteht überall wo Straßen und Häuser stehen und verbleibt dann eher lokal. Anderes Plastik bewegt sich über die Flüsse in die Meere oder landet direkt z.B. über Kreuzfahrtschiffe oder Fischernetze im Meer. Die winzig kleinen Mikroplastikpartikel sind auch in der Luft und werden über Regen überall hin verteilt.

Die Fasern die beim Abrieb vom Waschen in der Waschmaschine entstehen, landen erstmal beim Klärwerk. Dort können zwar bis zu 100% des Makroplastik und 85% des Mikroplastik rausgefiltert werden. Jedoch verbleibt das Mikroplastik im Klärschlamm. Dieser wird zu zwei Dritteln verbrannt, das verbleibende Drittel aber aufgrund seines hohen Phosphorgehalts als Düngemittel verwendet was das Mikroplastik weiter in die Umwelt streut.

Unabschätzbare Folgen für Mensch und Umwelt

Safe is better than sorry

Bisher ist nicht voll bekannt, wie sich Vorkommen von Kunststoffen in Organismen auswirken. Studien (mit unrealistisch großen Mengen an Mikroplastik) konnten Einfluss auf Immunsystem, Mortalität und Fertilität zeigen. Insgesamt ist sich die Forschung da noch etwas uneins. Daher wird auf das Vorsorgeprinzips verwiesen: Wenn nicht so ganz gewiss ist, was passiert, sollte man einen Stoff besser vermeiden.

Additive tragen zum Problem bei

Zusammen mit den Kunststoffen werden auch deren Additive emittiert. Dies sind Zusätze um besondere Eigenschaften zu erhalten. Manchmal sind es auch einfach Rückstände aus dem Produktionsprozess, die noch im Kunststoff verbleiben. Typische Additive sind die allseits bekannten Weichmacher, aber auch Farbstoffe, Biozide, Lösemittel, Flammschutzmittel oder Füllstoffe sind Additive. Teilweise handelt es sich dabei um gefährliche Stoffe. Additiven wie Bisphenol A(BPA) oder Insektiziden wie DDT wurden bereits toxische Wirkungen nachgewiesen.

Fazit der Studie

Summa Summarum sagen die Autoren, dass wir unsere weltweiten Kunststoffemissionen auf einen Bruchteil der aktuellen reduzieren müssen. Nicht einfach nur um ein paar Prozent, nein, um den Faktor 27! Die Zahl ist natürlich mit erheblicher Unsicherheit behaftet, gibt jedoch ein gutes Gefühl für die nötige Größenordnung.

Wir müssen unsere jährlichen Kunststoffemissionen von 5400 auf 200 Gramm pro Kopf reduzieren, um weitere Umweltschäden zu vermeiden.

Asuzug aus der STudie

Hilfe! Was kann ich tun?!

Oje, denkst du dir, so ein Schlammassel. Überall Plastik!

Kunststoffe sind ein unglaublich praktisches Material, günstig und vielseitig. Sie sind aus unserem Leben kaum wegzudenken und ein Treiber von Fortschritt. Ihre Haltbarkeit und Beständigkeit stellt sich dabei jedoch als großes Problem heraus, wenn sie einfach so in die Umwelt gelangen: Dann bleiben sie dort erstmal. Teilweise für Jahrtausende. Mit kaum abschätzbaren Folgen für Mensch und Umwelt.

Aber wir können alle unseren Teil dazu beitragen, das Problem in Schach zu halten. Wie immer gibt es verschiedene Verantwortungsbereiche wie Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Politik muss beispielsweise entsprechende Regeln aufstellen oder Unternehmen mit in die Pflicht nehmen, die Wirtschaft innovative Lösungen finden, und der Verbraucher informiert konsumieren und korrekt entsorgen.

Jetzt sind wir ja Teil dieser Sache namens Zivilgesellschaft. Daher hier ein paar Ideen, was wir konkret tun können. Mir ist einiges eingefallen 🙂

Plastik im Alltag vermeiden

Überraschung 🙂 Nein sagen und Verzicht üben ist hier oberstes Gebot. In den nächsten Wochen werde ich dazu noch etwas mehr ins Detail gehen. Hier schonmal ein paar Gedanken:

Nein zu Plastik in der Küche

Über das Unverpackt einkaufen hatte ich bereits geschrieben, das ist eine feine Sache. Ich gebe zu: Es ist sehr schwer, beim ganz normalen Wocheneinkauf um Plastikverpackungen drum rum zu kommen. Hier ist manchmal Kreativität, Flexibilität, Mut und vor allem Spaß am Ausprobieren gefragt. Wie wäre es mit einem Besuch auf dem Wochenmarkt, wo die Bauern direkt ihre frischen Waren verkaufen? Oder mal einen Biomarkt aufsuchen, wo oft lose Ware verkauft wird? Auch eine Öko-Kiste oder Obst & Gemüse aus solidarischer Landwirtschaft kann eine gute Alternative sein. Viele konventionelle Supermärkte geben sich aber auch bereits Mühe, nachhaltiger zu werden. Vielleicht lohnt sich ja mal ein Schwatz mit der Marktleitung deines Supermarkt des Vertrauens?

Einmal ohne bitte

Der gemeinnützige Münchner Verein rehab republic e.V. hat das Label  „Einmal ohne, bitte“ entwickelt. Ihre Vision: Verpackungsfreies Einkaufen aus der Öko-Nische holen und zum Standard machen. Eine super Sache! Wo du das Label siehst, kannst du getrost deine Edelstahldose mitnehmen und unverpackt einkaufen. Achte mal an der Tür deiner liebsten Cafés und Restaurants darauf oder sprich sie an, ob sie sich daran beteiligen wollen.

Logo "Einmal ohne, bitte"
Wenn du dieses Logo siehst, kannst du getrost deine Edelstahldose zücken und Einwegverpackungen vermeiden!

Nein zu Plastik im Haushalt

Eigentlich kannst du dir bei jedem Gegenstand, den du kaufst und der in deine Wohnung kommen soll, die Frage stellen: Aus welchem Material ist dieser? Gibt es Abrieb bei der Nutzung? Muss das aus Plastik sein, oder gibt es natürliche Materialen? Oft bemerken wir gar nicht, was alles aus Plastik ist. Auch eine kuschelige Fleecedecke oder ein süßes Kuscheltier besteht meist aus Polyester.

Mir hilft die Denkschule von Cradle to Cradle bei Konsumentscheidungen. Denn ich frage mich: Wie wende ich das Produkt an? Was passiert, wenn ich es nicht mehr verwende? Dabei wird das gesamte Nutzungsszenario durchdacht. Wie zum Beispiel bei Kleidung: Die angenehm weichen Fasern reiben bei der täglichen Benutzung und in der Waschmaschine nach und nach ab. So kann schon beim Tragen von synthetischer Kleidung ein Haufen Mikroplastik entstehen und lagert sich in der Wohnung mit dem Hausstaub ab, verteilt sich in der Luft. Keine schöne Vorstellung, oder? Unter dem Gesichtspunkt sehe ich es kritisch, dass die Verwendung von recycelten PET Flaschen zur Herstellung von Kleidung als nachhaltig deklariert wird.

Und nicht zuletzt die Frage: Brauche ich das eigentlich? Auch Konsumverzicht trägt dazu bei, weniger Plastik in unser Leben zu holen. Probiere vielleicht mal einen Monat lang aus, nix zu kaufen! Genau das habe ich im Januar gemacht, mehr dazu kannst du hier lesen.

Müll sammeln, oder moderner: An Cleanups teilnehmen

Cleanups bezeichnen organisierte Veranstaltungen, bei denen kollektiv Müll gesammelt wird. Da gibt es verschieden Vereine, hier in Leipzig zum Beispiel Cleanup Leipzig. Oder das Clean River Project, welches paddelnd Flüsse reinigt. Gerade finden aufgrund der Pandemie keine organisierten Cleanups statt – aber das wird sich ja auch wieder ändern. Bis dahin hindert allgemein nix daran, sich selbst mit Müllbeutel und Handschuhen bewaffnet auf den Weg zu machen und dem Plastikmüll den Kampf anzusagen. Mein Freund und ich machen das gerne auf unserem sonntäglichen Spaziergang und streckenweise ist es einfach unglaublich, wie viel Müll zustande kommt…

Am 18. September 2021 findet übrigens der World Cleanup Day statt. Kannst du dir ja schonmal im Kalender markieren, um dann munter mit Müll sammeln zu gehen 🙂

Organisationen unterstützen

Einige habe ich weiter oben bereits benannt, was mir noch eingefallen ist: The Ocean Cleanup, ein riesiges Projekt das sich der Reinigung von Flüssen und Ozeanen von Plastikmüll verschrieben hat. Dafür nutzen sie innovative, selbst entwickelte Technik. Sehr spannend!

Tipps für Autofahrende

Angesichts des Ausmaßes von Reifenabrieb geben die Autoren der Studie noch die Tipps, langlebige Reifen zu benutzen und defensiv zu fahren.

Abfall korrekt entsorgen

Auch an und für sich selbstverständlich, dennoch der Vollständigkeit halber: Abfälle sind nicht übers Abwasser zu entsorgen, sondern gehören in die jeweilige Tonne. Und zu guter letzt, auch das ist klar: Plastikmüll gehört nicht in die Umwelt.

Ein Gedanke zu „Mikroplastik, Makroplastik, überall Plastik.

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