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Einfach mal nix kaufen – Ein Monat Konsumverzicht

Januar ist ein typischer Monat um auf etwas zu verzichten. Nach der Völlerei zu Weihnachten starten viele Menschen mit dem Vorsatz ins neue Jahr, einen Monat lang keinen Alkohol zu trinken, nix Süßes zu essen oder gar ganz zu fasten. Ich habe mich auch im Verzicht geübt. Ganz im Sinne meiner Konsumkritik vor einigen Wochen habe ich auf Konsum verzichtet. Davon möchte ich dir heute berichten.

Was meine ich mit Konsumverzicht?

Zunächst erstmal möchte ich klären, worauf ich konkret verzichtet habe. Also klar, Lebensmittel habe ich gekauft. Darum sollte es nicht gehen, sondern um alle anderen Käufe. Ein neuer Pullover, Strumpfhose fürs Baby, Bastelzeugs, Bücher, Apps, Deko-Kram für die Wohnung, Küchenutensilien… und so weiter und so fort habe ich erstmal nicht gekauft.

“Erstmal” nicht gekauft?

Genau, “erstmal” ist hier das Zauberwort. Ich habe mir stattdessen bei jedem Kaufimpuls (und da waren eine Menge, ich war ganz überrascht!) eine Notiz gemacht, mit den Überlegungen: Was möchte ich kaufen, welches Bedürfnis steckt dahinter und wodurch bin ich auf die Idee gekommen?

Den Bedürfnissen auf der Spur

Vor allem bei Kleidung steckt bei mir das Bedürfnis dahinter, von anderen als schön und stilbewusst wahrgenommen zu werden, aber auch mir selbst zu gefallen. Es ist eine Form der Selbstwerterhöhung. Fühle ich mich gerade selbst etwas fad und farblos, sehne ich mich nach einem schicken neuen Teil, um mich besonders zu fühlen. Stattdessen habe ich also geschaut, ob mein Kleidungsschrank nicht etwas ähnliches hergibt wie das was ich kaufen will, oder das Gefühl einfach mal ausgesessen.

Was ich auch oft beobachtet habe, sind Konsumgüter die als grün und nachhaltig von anderen bezeichnet werden und wo mir suggeriert wird, durch den Kauf ein Problem zu lösen. Aufgefallen ist mir das bei einem hippen kleinen Indoor-Kräutergarten. Dieser ist mit Sensoren ausgestattet und informiert per App darüber, wie es den Pflanzen geht und ob ich gießen muss. Außerdem bekommen die Pflanzen perfektes Licht, sodass nix schiefgeht beim eigenen Anbau. Klingt erstmal nach einer coolen Form von Urban Gardening. Bis ich gelesen habe, dass das Ding soviel Energie wie ein halber kleiner Kühlschrank verbraucht. Die Energiewende ist so schon schwer genug, da muss ich nicht noch mehr Energiefresser heim holen… Also auch hier die Erkenntnis, lieber etwas abzuwarten und zu durchdenken, ob das Produkt wirklich meiner eigenen Vorstellung entsprechend nachhaltig ist.

Beseitigung der Verführungen

Was mir noch aufgefallen ist: Viele Kaufwünsche entstehen über Werbung. Surprise! Das überrascht jetzt natürlich nicht. Werbung ist schließlich dafür da, Begehrlichkeit zu wecken wo vorher vielleicht keine unbedingt da war.

Interessant ist aber, auf wie vielen Wegen wir, auch von nachhaltigen Unternehmen, von Werbung bombardiert werden. Ein Newsletter hier, Briefpost da, eine Erwähnung im Podcast, passende Vorschläge in Social Media wie Instagram… Achte mal darauf. Werbebotschaften treffen uns ständig im Alltag.

Drei Dinge habe ich dagegen gemacht und kann ich jedem empfehlen:

  • Newsletter von Unternehmen abbestellen

  • Briefpost abbestellen (man kann der Nutzung der Daten zu Marketingzwecken widersprechen)

  • Social Media Nutzung limitieren

Klingt so einfach wie es ist! Und es bringt zumindest mir sehr viel.

Eine Ausnahme habe ich gemacht…

Da muss ich ehrlich sein. Aber da es mein Herz immer noch vor Freude höher hüpfen lässt weiß ich, dass es eine gute Entscheidung war. Eine britische Künstlerin, deren Gemälde im vier- bis fünfstelligen Bereich kosten und somit nicht so wirklich in meinem Budget liegen, hat einen Buchband mit einem limitierten Druck herausgegeben. Da habe ich doch kurzfristig zugeschlagen, ehe alles ausverkauft ist.

C’est la vie! 🙂

Verzicht? Gewinn!

Am Ende des Monats muss ich sagen, dass es mir gut tat einfach mal nichts zu kaufen. Verzicht klingt immer so negativ. Dabei hat es so viel Gutes! Mein Kontostand ist entspannt und ich habe sehr viel Zeit gespart. Schließlich musste ich nix recherchieren und mich auch nicht um lästige Retouren kümmern. Die Zeit konnte ich stattdessen nutzen um mal ein Buch zu lesen, Podcast zu hören, oder einfach zu entspannen. Es war aber auch nicht immer leicht. Mitte des Monats war ich fast dabei, zu kapitulieren und einfach ein paar Klamotten zu kaufen. Es ist schließlich so einfach: Handy gezückt, Website aufgerufen, Warenkorb gefüllt, zahlen, fertig. In fünf Minuten ist der Kauf komplett abgewickelt – wenn ich nicht achtsam bin und dem Kaufwunsch widerstehe.

Achtsamer Konsum

Letzten Endes ist der bewusste Verzicht eine tolle Achtsamkeitsübung. Die eigenen Impulse wahrnehmen, dahinter verborgene Bedürfnisse und Gefühle wahrnehmen sowie Triggerevents beobachten hat mir viel über meinen Geist gelehrt. Es ist nicht so einfach, der Versuchung des schnellen Dopaminkicks zu widerstehen, und Meditation oder allgemein Achtsamkeitsübung hilft dabei. Nachhaltigkeit und Achtsamkeit gehen dabei, wie ich finde, Hand in Hand.

So viel zu meiner Erfahrung diesen Monat!

Hast du auch auf etwas verzichtet im Januar? Wenn ja, was und wie ging es dir damit?

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